Markttag - Verkauf von Haushaltswaren am offenen LKW

Dannenberg
Marktplatz
Datum: 9. September 1948
Zeitraum: 1946 - 1960

Im Hintergrund links das Haus von Gehrels.

Zu diesem Bild und vier weiteren, die Kurt Schmidt damals anfertigte, gibt es folgendes Textmanuskript von ihm als Vorbericht zu dem Ereignis:

"Wieder Dannenberger Märkte.

Nach langer Zeit wird zum ersten Mal am 9. September in Dannenberg wieder ein Großmarkt stattfinden, dem dann regelmäßig weitere Monatsmärkte folgen werden. Auch wöchentliche Obst und Gemüsemärkte sind von jetzt ab jeden Donnerstag vorgesehen. Die letzten Kriegsjahre und die Zeit nach der Kapitulation brachten die Kreisstadt auch um die alte Tradition der teils über die Kreisgrenzen hinaus berühmten Dannenberger Märkte.

Der Wert des Geldes wurde von Tag zu Tag geringer und niemand dachte mehr an einen offenen Handel. Ungesetzmäßig wurden schwarze Kompensationsgeschäfte geführt und alle Waren wanderten in dunkle Kanäle. Nur die alten Leute erzählten von der guten alten Zeit, wo es noch schöne Märkte gab. In Massen wurde da das Vieh aufgetrieben. Die Gemüsebauern fuhren ihre Erzeugnisse heran und Kram- und Schaubuden belebten das bunte Marktbild. Der Handel blühte an diesen Tagen und auch die Geschäftsleute rieben sich abends die Hände, denn ihre Kassen waren gefüllt. So führten die Großmärkte Bauern und Bürger zusammen und vereinten sie abends beim Glas Wein in der Gaststube, wo jeder seine getätigten Geschäfte feierte und tüchtig begoß. Für die jungen Leute gab es Tanz in den verschiedenen Sälen und jeder Großmarkt endete als ein Fest.

In früheren Zeiten schon legte man besonders großen Wert auf diese Märkte. So findet man in einer alten Chronik folgendes darüber zu lesen: "Der hiesige Handel und Wandel wird durch die vier Bürger- und vier freien Märkte befördert, welche hier jährlich abgehalten werden. Posten kommen hier an und gehen ab von und nach Lüneburg, Uelzen, Lüchow und Gartow. Der Handel mit Pechleinen, das nach Hamburg und von dort in die See geht, ist einer der beträchtlichsten. Und das feine Weizenmehl, welches hier und in Prisser gemacht wird, wird weiter verfahren."

Welche erheblichen Mengen an Rindvieh, Schweinen und Pferden auf den Märkten umgesetzt wurden, zeigen statistische Berichte der Stadt. Die Summe des im Jahr 1890 aufgetriebenen Rindviehs betrug 2719 Stück und 3096 Stück im Jahre 1901. In den Jahren nach dem ersten Weltkrieges war der Viehauftrieb sehr gering und 1933 wurden wieder rund 7600 Schweine, 1600 Rinder und 800 Pferde auf die Märkte gebracht. Im letzten Marktjahr 1942 sanken die Zahlen auf nur 86 Rinder, 117 Pferde und ein Drittel der früher aufgetriebenen Schweine.

Jetzt, da das Geld wieder seinen Wert hat und die Bewirtschaftung gelockert worden ist, soll wieder ein Anfang mit den beliebten Großmärkten gemacht werden. Die Vorbereitungen sind getroffen und man hofft auf ein großes Angebot von Gemüse und Obst. Der Viehmarkt wird sich auf Kühe und Pferde beschränken müssen, da der Schweinebestand in den letzten Jahren stark zusammen geschrumpft ist.

Auf dem Marktplatz wird das ambulante Gewerbe seine Stände und Krambuden aufschlagen. 20 Krämer haben sich hierzu bis jetzt gemeldet. Karussells und Schaubuden werden auf dem Pferdemarkt am Ratskeller und auf dem Schulplatz aufgestellt und der Viehhandel wird auf dem Kuhmarkt stattfinden. Im Ratskeller gibt es einen Marktball und der Markttag soll wie früher ein Volksfest werden."
Autor/-in:  Kurt  Schmidt (tt)
Quelle:  Axel  Schmidt
Nutzungsrechte: Eine kommerzielle Nutzung der Fotos von Axel Schmidt und seinem Vater Kurt Schmidt (tt) ist nur mit vorheriger Genehmigung durch Axel Schmidt gestattet. Kontakt per E-Mail: axel.schmidt1@t-online.de
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Archiv-ID: 57270
Kommentare
Torsten Schoepe 10.03.2024
Zu den Bildern von 1948 aus Dannenberg, zum ersten großen Markttag nach 1942, gibt es jetzt auch den damaligen Text von Journalist Kurt Schmidt.
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