Tabakanbau in Weitsche

2012 stellt Frau Gudrun Schwake, geb. Ihde, ihre 1964 angefertigte Jahresarbeit zur Verfügung und schreibt dazu: "Mein Vater, der Bauer Heinrich Ihde, geb. 30.12.1922, begann 1947/48 mit dem Anbau von Virgin-Tabak, der mit Heißluft getrocknet wurde (siehe Foto mit Massivbau-Trocknungsgebäude). Später wurde auch Burley-Tabak angebaut, der nach Lufttrocknung (also nicht heiß) sortiert und gepreßt verkauft wurde. Ich habe 1964 als Schülerin der Mittelschule in Lüchow in der 10. Klasse diese Jahresarbeit im Fach Biologie geschrieben. Damals dauerte der Tabakanbau noch an und wurde noch etliche weitere Jahre fortgeführt. Später stiegen die Lohnkosten der Helfer derart an, dass sich der Anbau von Tabak nicht mehr rechnete und aufgegeben wurde."

Geschichte des Tabaks in Norddeutschland, besonders im Landkreis Lüchow-Dannenberg und in Weitsche

1945 war der Krieg beendet, und Deutschland wurde in vier Besatzungszonen aufgeteilt. Die wirtschaftliche Not war groß. Sie veranlasste die einzelnen Zonenbehörden, die in ihrem Gebiet erzeugten landwirtschaftlichen Produkte für die Versorgung der eigenen Bevölkerung zu erhalten.

Der Tabakanbau war bereits seit mehr als 100 Jahren in Deutschland heimisch, besonders in der Pfalz, in Baden und in Bayern. In Niedersachsen gab es mit Ausnahme eines kleineren Gebietes um Duderstadt keinen Tabakanbau. Die großen Fabriken, die in Niedersachsen den Tabak verarbeiteten, sahen sich nun von ihren Rohstoffquellen, sofern sie aus Deutschland kamen, abgeschnitten. Aus dieser Not heraus versuchte die Industrie, die niedersächsischen Landwirte zum Anbau von Tabak zu bewegen. Für das abgelieferte Erntegut erhielten die Anbauer neben Geld auch noch Zigaretten, Zigarren und Rauchtabak.

Der Kreis Lüchow-Dannenberg schien sich durch die Niederung der Elbe besonders gut für den Tabakanbau zu eignen. Die damalige Verwaltung in Hamburg (Ernährung, Landwirtschaft und Forsten) versuchte, Land für den Tabakanbau frei zu bekommen. Obwohl sich dadurch die Kartoffelanbaufläche verkleinerte, wurde der Anbau erstmalig im Kreis Lüchow-Dannenberg zugelassen.

Im Laufe der Jahre verbesserten sich die wirtschaftlichen Verhältnisse in den Zonengebieten. Aus den vielen kleinen Betrieben entwickelte sich der wirklich gewerbliche Tabakanbau. Um 1950 werden Heißluftöfen zur Trocknung von hellgelben Virgintabaken gebaut. Diese Tabake sind amerikanischen Ursprungs und erzielten recht gute Erfolge. In den letzten Jahren hat jedoch die Sorte Burley, die im Gegensatz zum Virgin nur an der Luft getrocknet wird, mehr das Interesse der Industrie gewonnen.

Der gesamte Tabakanbau in der Bundesrepublik ist gut organisiert. Er wird vom Finanzministerium über die Zollämter aus steuerlichen Gründen streng überwacht. Die Tabak anbauenden Betriebe werden von den Landesverbänden betreut. Für unseren Betrieb ist der Landesverband Nordwestdeutscher Tabakpflanzer zuständig.

In dem Betrieb meines Vaters wurde ebenfalls aus den bereits erwähnten Gründen der Tabakanbau 1947/48 auf einer kleineren Fläche aufgenommen. Daraus entwickelte sich im Laufe der Jahre der wirkliche Qualitätstabakanbau. Die anfänglichen Flächen vergrößerten sich von Jahr zu Jahr und erreichten eine beachtliche Größe. Es mussten allerdings erhebliche Geldmittel aufgebracht werden, um die Heißlufttrocknung für den Virgin-Tabak und später die Lufttrocknungsscheunen für den Burley-Tabak zu erstellen.

(Die Reihenfolge der Abbildungen und die Bildtexte entsprechen bzw. entstammen der Originalarbeit von Gudrun Ihde.)
Im Laufe der Jahre entwickelte sich auf unserem Hof der wirkliche Qualitätstabakanbau. Foto aus dem Jahr 1951.
Bereits eine Woche vor dem Auspflanzen werden die Fenster von den Anzuchtbeeten genommen.
Vor dem Auspflanzen
Die Setzlinge werden auf das Feld gebracht.
Der Tabak verlangt eine fast gartenmäßige Bodenbearbeitung
Vor dem "Köpfen"
Nach dem "Köpfen"
Nach dem zweiten Pflücken
Der Trocknungsschuppen mit Klimatisierungsanlage.
Der Tabak wird verkauft.
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