Schneidermeister Carl Subke und Frau

Ein Text im "Allgemeiner Anzeiger" vom 6. Juni 1942 erzählt uns einiges über Carl Subke:

"Ein Mann, der viel Humor besaß, das Leben oft von der heiteren Seite auffaßte und darum Schicksalsschläge, die ja keinem Menschen erspart bleiben, und trübe Stunden leichter überwand und immer wieder mit frischem Mut den Werktag begann, wenn die Sonne auch nicht schien, war der Schneidermeister Carl Subke. In aller Herrgottsfrühe griff er zur Nadel, hängte sich das Bandmaß um den Hals und legte die Schere erst zur Seite, wenn im Sommer das Zwielicht ein Arbeiten nicht mehr gestattete oder im Winter die Kuckucksuhr an die Schlafenszeit erinnerte. Und auch dann kroch er noch nicht in die Falle, — er mußte erst noch die Ziehharmonika zur Hand nehmen, einen flotten Marsch spielen oder ein fröhlich Lied singen. Nur an den Tagen des Schützenfestes, des Lüchower Volksfestes, wenn am Sonnabend das letzte neue Beinkleid, das letzte neue Jakett an die Kunden, die mit ihren Bestellungen ja immer bis zum letzten Augenblick warten, abgeliefert war und der sauer verdiente "Machelohn", der damals 12 Mark für den Anzug betrug, in Empfang genommen war, — ruhte die Arbeit, blieb das große Bügeleisen kalt und der Platz auf dem langen Schneidertisch leer. An diesen Tagen gähnte übrigens aus den Werkstätten aller Handwerksmeister in Lüchow eine leere Öde. Für Meister Subke, der die blaue Garde-Uniform trug, war das Schützenfest noch von besonderer Bedeutung: Er mußte den schmucken, mit so vielen silbernen Erinnerungszeichen ehemaliger Schützenkönige behängten Königsschild betreuen, die 4 Fahnen in Verwahrung nehmen, die Einladungen der Kompagnien besorgen, den Königsbecher bei der Proklamation des neuen Königs zur Stelle schaffen usw., wie überhaupt für die Wünsche des Herrn Obersten stets bereit sein.
(Die Zeitung vom 13. Januar 1906 berichtete: Anstelle des verstorbenen Gildedieners Stallbohm wurde Herr Schneidermeister Subke gewählt.)

An den Nachmittagen aber, wenn alle Besorgungen erledigt waren, stand Meister Subke an seiner Tisch-Kegelbahn auf dem Platze und hatte alle Hände voll zu tun, um den Alten und Jungen immer wieder die kleinen Kegel aufzubauen, die diese zu Sturz brachten in der Hoffnung auf eine "Neun" oder "Acht um den König" mit entsprechendem Gewinn. Und hatte man dann seine fünf Groschen verspielt, hatte Meister Subke immer Trostworte zur Hand, indem er — natürlich immer lächelnd — meinte: "Ja, ja, — beinahe eine Neun, — es ist schade, die Kugel hatte sie verdient, — na, vielleicht morgen."

Meister Subke war aber nicht nur ein geschickter Schneidermeister, ein fröhlicher Sänger, ein wackerer Schützenbruder, sondern auch ein leidenschaftlicher Petrijünger. Namentlich in der "stillen Saison'' zog er gern mit der Angelrute, dem Fischnetz und der Büchse mit "Piermaden" oder "Sprotten" hinaus an den Jeetzelstrand zum Fischfang. Stundenlang konnte er geduldig an der zweiten Kuhfahrt, an der Schützenplatz-Kuhle unterhalb Lüchow oder an "Bauers Eck", am "Probsteigraben", am "Kabelgraben" oberhalb Lüchow sitzen und auf die "Pose" blicken, bis diese "zuppte", plötzlich im Wasser verschwand und ein Fisch sich "festgebissen" hatte. Kehrte er oftmals mit reicher Beute zurück, so gab es doch auch Tage, an denen der Fisch absolut nicht "beißen" wollte. "Na, denn nich", neinte er dann zu seinem Angelbruder, "dann will´n wi uns mal ´nen Apoch (Frosch) griepen un de Hechtangel rutsmieten". Und damit hatte er dann oft Petriglück und konnte Muttern einen mehrpfündigen Hecht für den nächsten Tag bringen."
Lüchow
Bergstraße 36 (früher 276)
Datum: 1918
Zeitraum: 1914 - 1918
Quelle:  Torsten  Schoepe
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