Selbstporträt von Philipp Linkersdörfer mit Pfeife

Ute Rossius überließ die verbliebenen Bestände seines fotografischen Nachlasses über einen kleinen Umweg (siehe unten) dem Wendland-Archiv. Sie schreibt:

"... Mein Großvater Philipp Linkersdörfer kam (aufgewachsen in Steinau / Schlüchtern in Hessen) als Lehrer 1926 nach Schnackenburg und 1940 nach Penkefitz an die einklassige Schule; er wurde außerdem an der landwirtschlichen Berufschule in Groß Gusborn während des Krieges eingesetzt. Er lebte bis 1968 mit seiner Frau Gretel in Penkefitz, sein Sohn (mein Vater) holte ihn dann in seine Nähe nach Bremerförde. Die Fotografie, das Entwickeln seiner Bilder in der eigenen Fotokammer war sein großes Hobby. Er liebte die Elblandschaft, erkundete sie per Pedes, per Fahrrad und mit dem Faltboot."

Das Einwohnerbuch von 1929 nennt als Anschrift die Kirchstraße 70 in Schnackenburg.

27 Jahre nach seinem Selbstporträt berichtet die EJZ im Januar 1958 über eine Fotoausstellung von Philipp Linkersdörfer:

"Den Pinsel führt die Sonne
Photo-Ausstellung in der »Truhe" — Arbeitsgemeinschaft für Amateure geplant

Lüchow. In der „Truhe“ in der Mauerstraße in Lüchow hat Lehrer Philipp Linkersdörfer aus Penkefitz, kein Unbekannter bei den Amateurphotographen unseres Kreisgebietes, 40 Photos ausgestellt. Schon oft sind in der „Truhe“ Bilder gezeigt worden; zum ersten Male handelt es sich jedoch um Photos, die dort im Rahmen einer kleinen Ausstellung zu sehen sind. Da „Truhe“-Inhaber Fritz Wolf selber zur Kamera gegriffen hat und sich eingehend mit der Photographie beschäftigt, wird es wohl nicht bei dieser einen Photo-Ausstellung bleiben...

...Nun jedoch zu der Ausstellung selbst, zu Linkersdörfer und seinen Aufnahmen. Wenn einem die Kamera seit vielen Jahren ständiger Begleiter ist, dann haben sich zahlreiche Bilder angesammelt, von denen manche an schöne Erlebnisse erinnern, andere mehr oder weniger wichtige Begebenheiten festgehalten haben, von denen aber nur wenige vor dem kritischen Auge des Bildautors bestehen. Landschaftsbilder, die eine Stimmung wiedergeben, wie sie der Autor empfand und ausdrücken wollte, Porträts, die mehr als ein hübsches Bildchen sein sollen, sind nicht aus dem Handgelenk zu schütteln und stellen den Photographen selber meistens nicht zufrieden. Auch Linkersdörfer wird es nicht leicht gefallen sein, aus der Fülle seines Bildmaterials seine besten Aufnahmen auszuwählen. Er hat 40 Photos für gut befunden und ausgestellt.

Seine meistens offenen Landschaftsmotive sind etwas schwermütig. Linkersdörfer bevorzugt den dunkelverhangenen Himmel, die Gewitterstimmung. Beim Betrachten seiner Landschaftsaufnahmen wird man an Kunstmaler Schlawings Gewittermotive erinnert. Wenn Linkersdörfer Maler wäre und malen könnte, er würde die Elblandschaft ähnlich wie Schlawing wiedergeben. Aber Photographieren ist oft schwieriger als Malen. Das sagen nicht die Photographen, das behaupten die Maler. "Ich habe nicht gedacht, daß Photographieren so schwer ist“, meint Fritz Wolf, und H. Claaßens pflichtet ihm bei. Bei der Aufnahme führt nur die Sonne den Lichtpinsel, und es liegt am Photographen, im richtigen Augenblick abzudrücken. Dieser richtige Augenblick währt manchmal nur einige Sekunden. Um ihn zu erhaschen, dazu gehören nicht nur Geduld und Können, sondern auch Glück.

Nicht nur bei der Landschaft, auch bei Pflanzen und Tieren und natürlich dann auch beim Porträt bevorzugt Linkersdörfer die weiche Gradation. Das weich gehaltene Bild ist schön, es gibt die unendlich vielen Halbtöne wieder. Die weiche Verarbeitung nimmt aber leider gar zu oft dem Bild die Spitzenlichter, die Brillianz, und gibt ihm einen etwas flachen Ausdruck. Eine Landschaft aber, die ohne Vordergrund schon wenig Tiefe hat, zu weich dargestellt, erzielt keine Wirkung, mag das Motiv als solches noch so gut, der Ausschnitt noch so meisterhaft gewählt sein. Besonders gut ist Linkersdörfer ein Motiv an der Elbe, das er „Wasser, Wind und Wolken“ nennt, gelungen. Aber auch der Hochwald im Nebel ist sehr eindrucksvoll, und die "Gänsefamille" ist eine Aufnahme von hervorragender Tiefenwirkung.

Wer versucht hat, ein Kornfeld auf den Film zu bannen, und wer das Wogen der Ähren wiedergeben wollte, wird wissen, wie schwierig das ist. Als gut muß man daher auch Linkersdörfers ..Ährengesichter" bezeichnen Ein Schwanenpaar gehört zu den beliebtesten Motiven des Amateurphotographen. Es so, wie in dieser Ausstellung gezeigt, abzubilden, ist gekonnt. Unter den Porträts sind die weichgezeichneten die besseren. Bei den Tieraufnahmen ragt ein Bild, das Katzenporträt, besonders hervor. Es ist vielleicht das beste Bild der Ausstellung. Der Gesichtsausdruck des Tieres sagt sehr viel, ja, es zeigt den typischen Charakter seiner Gattung, die nicht wie der Hund sich dem Menschen voll unterworfen hat, sondern ihr Eigenleben führt und den Hausgenossen Mensch stets kritisch betrachtet.

Linkersdörfer photographiert auf Kleinbildfilm und auf Rollfilm im 6x9-Format. Die ausgestellten, durchaus sehenswerten Bilder sind Vergrößerungen im Format 18x24 und 24x30. tt."

Das Team des Wendland-Archivs ist sehr froh, dass die Aufnahmen von Philipp Linkersdörfer den Weg hierher gefunden haben. Danke dafür an Ute Rossius und Klaus Lehmann. Die Aufnahmen sind hochinteressant, technisch und gestalterisch perfekt und stammen aus einer Region des Landkreises, die bislang (2022) noch etwas unterrepräsentiert ist.
Schnackenburg
Datum: Januar 1931
Zeitraum: 1919 - 1932
Autor/-in:  Philipp  Linkersdörfer
Quelle:    Sammlung Wendland-Archiv
Portrait
Archiv-ID: 52440
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